Gesundheit

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05.01.2026

Jetzt handeln, um zukunftsfähig zu sein

Jetzt handeln, um zukunftsfähig zu sein

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Ein Blick auf die Gesundheitseinrichtung von morgen

Die Entwicklungen in der Gesundheitsbranche sind weitreichend und passieren teilweise in einem hohen Tempo. Davon betroffen sind neben den rund 1.100 Rehaeinrichtungen auch eine Vielzahl an gesundheitsorientierten Fitnesseinrichtungen bzw. Sportvereinen in Deutschland. Diese sehen sich mit aktuellen Herausforderungen konfrontiert, die es jetzt anzunehmen gilt, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Neben einrichtungsbezogenen Auf gaben gehören auch gesellschaftliche Themen zu diesen Herausforderungen, die in Summe eine komplexe Gemengelage bilden, bei der man schnell den Überblick verlieren kann.

1. Digitalisierung: Herausforderung und Chancen

Wie in fast allen Branchen ist das Thema Digitalisierung und KI auch in der Gesundheitsbranche allgegenwärtig. Dabei geht es auf der einen Seite um die Digitalisierung bzw. Automatisierung interner Prozesse, die das Tagesgeschäft erleichtern und so mehr Raum für die eigentlichen Kernaufgaben der Mitarbeiter, aber auch für die Institution schaffen sollen. Hierzu gehören, neben einer softwarebasierten Kunden- oder Patientenverwaltung auch digitale Zugangskontrollen sowie automatisierte Kundenansprachen per Newsletter oder WhatsApp.

Aber auch das Thema elektronische Patientenakte rollt mit großen Schritten auf die Einrichtungen zu und verändert interne Dokumentations- und Datenprozesse. Da jede Software jedoch nur so gut funktioniert, wie der sachkundige Anwender, der das System mit Informationen füttert, dürfen hier die Erwartungen zu Beginn noch nicht so hoch sein. Darüber hinaus bedarf es gerade am Anfang einiges an Zeit und Aufwand, um das System auf die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten anzupassen. Hat man diesen Prozess jedoch abgeschlossen, kann man einige Erleichterungen erwarten.

KI-Einsatz

Auf der anderen Seite stehen die großen Chancen und Möglichkeiten KI-basierter Anwendungen, die uns schon heute im therapeutischen, wie auch präventiven Kontext unterstützen. Dabei reichen die Anwendungen von der Erstellung einfacher Therapie- bzw. Trainingspläne bis hin zur Interpretation bildgebender Verfahren der Diagnostik. Dabei gilt es jedoch, sich nicht ausschließlich auf die KI-gestützten Ergebnisse zu verlassen. Denn das menschliche Korrektiv in Form eines Trainers oder Therapeuten muss in jedem Fall die Ergebnisse oder Vorschläge der KI fachkundig reflektieren und gegebenenfalls individuell anpassen. Wenn das gelingt, ist die Angst, dass KI den Menschen ersetzt, völlig unbegründet. Vielmehr leisten KI-Anwendungen bereits heute einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit.

Darüber hinaus trägt die zunehmende Verfügbarkeit digitaler Informationen auch zu einem veränderten Kunden-Trainer- bzw. Patienten-Therapeuten-Verhältnis bei. So kommen mittlerweile Kunden oder Patienten mit selbstgestellten Diagnosen oder selbsterstellten Plänen in die Einrichtungen und erwarten, diese angenommen bzw. umgesetzt zu bekommen. In der Kommunikation stellt dies die Einrichtungen vor die Herausforderung zu erfahren, mit welchen Suchbegriffen auf Google oder ChatGPT gearbeitet wurde, um die mitgebrachten Ergebnisse zu reflektieren und einordnen zu können. Dies wiederum setzt auf Mitarbeiterebene ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Empathie voraus.

2. Fachkräftemangel: ein schmaler Grat

Eine weitere Herausforderung stellt für die Gesundheitseinrichtungen der Fachkräftemangel dar. So bleibt im Jahr 2025 eine nichtärztliche Stelle im Gesundheits- und Therapiebereich für durchschnittlich 275 Tage vakant. Damit liegt die Gesundheitsbranche unter den TOP 10 Branchen mit Fachkräftemangel. Neue Mitarbeitende zu finden oder auch die vorhandene zu halten wird somit immer schwerer. Zeitgleich steigen die Erwartungen an moderne Arbeitsbedingungen und finanzielle Entlohnung.

Das hat Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung in allen Bereichen und nimmt Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Denn die Mitarbeitenden sind gerade in der Gesundheitsbranche das Aushängeschild jeder Einrichtung im Umgang mit Kunden und Patienten. Zudem ist die Einrichtung darauf angewiesen, ausreichend Mitarbeitende mit entsprechenden Qualifikationen vorzuhalten.

Hier den schmalen Grat zwischen Wirtschaftlichkeit, Attraktivität und Kundenzufriedenheit zu finden und auch zu beschreiten, gehört zu den wesentlichen Herausforderungen einer Gesundheitseinrichtung. Dabei mit attraktiven Arbeitszeiten und Vergütungsmodellen zu punkten, kann genauso zukunftssichernd sein, wie den Mitarbeitenden eine klare Karriereplanung aufzuzeigen und der Einrichtung ein entsprechendes Employer Branding zu verpassen.

3. Angebot: Neue Bedürfnisse

Mittlerweile hat die Branche das Vor-Corona-Niveau an Umsätzen, Kunden- bzw. Patientenzahlen erreicht oder sogar übertroffen. Verändert haben sich durch Corona aber die Bedürfnisse und Ansprüche der Menschen. So haben sie einerseits digitale Formate und Wearables kennen und nutzen gelernt und wollen diese Technisierung im Trainingsbetrieb auch weiterhin nutzen, was den Bedarf an hybriden Angeboten sowie die Integration von Apps und digitalen Anwendungen bedeutet.

Andererseits ist der Wert von Gesundheit in der Bevölkerung deutlich gestiegen, was die Frage nach individualisierter Betreuung mit hoher Fachkompetenz und Expertise noch weiter ansteigen lässt. Gruppen- und Trainingsformate nach Schema F und Training ohne Betreuung oder Eingangsanamnese sowie -check, wird somit nur noch begrenzt zukunftsfähig und für bestimmte Zielgruppen interessant sein. Ein Großteil der Kunden wird jedoch zukünftig vielmehr Wert auf Individualisierung und persönliche Betreuung durch gut ausgebildetes Fach - personal legen. Hinzu kommt, dass durch den demographischen Wandel die Bevölkerung immer älter wird und die Nachfrage nach guten Angeboten im Seniorenbereich steigt.

Longevity und Präventionskurse

Dem Thema Longevity kommt also eine immer größer werdende Bedeutung zu. Hier gilt es jedoch, nicht ausschließlich die attraktiven Angebote für Senioren zu schaffen, sondern diese auch entsprechend strukturell einzubetten, um der Zielgruppe und ihren Bedürfnissen nach Kommunikation und Gemeinschaft gerecht zu werden. Dabei mit zertifizierten Präventionsprogrammen nach §20 SGB V zu arbeiten, kann für Senioren durchaus zielführend sein, da die damit verbundene Subventionierung durch die gesetzlichen Krankenkassen einen finanziellen Anreiz im Kontext knapper Rentenkassen darstellt.

Doch auch grundsätzlich ist es sinnvoll für eine Gesundheitseinrichtung sich nicht ausschließlich auf eine Produktgruppe oder einen Finanzierungstopf zu verlassen. Sich mit Präventionskonzepten breit aufzustellen und dadurch neue Kunden zu generieren ist durchaus ein tragfähiges Zukunftsmodell, für das jedoch bestimmte Qualitätskriterien auf der Anbieter- wie auch der Angebotsseite erfüllt sein müssen, die klar im Leitfaden Prävention formuliert stehen und durch die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) geprüft und zertifiziert werden.

Damit eng verbunden ist der Ansatz, auch außerhalb der eigenen Räumlichkeiten aktiv zu werden und für Wirtschaftsunternehmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung ein verlässlicher Partner zu werden. Arbeitsplatzbezogenes Rückentraining, bewegte Pausen am Arbeitsplatz oder die Gestaltung von Gesundheitsveranstaltungen sind nur einige Beispiele in diesem Kontext, für die man jedoch ebenfalls die entsprechende Zertifizierung durch die ZPP benötigt.

4. Marketing: Angebote kommunizieren

Gute Strukturen und Angebote zu haben, ist das eine. Viel bedeutender ist es aber, auch darüber zu berichten. Dabei den Fokus auf die Gesundheit zu legen und in den unterschiedlichen Off-, aber noch besser Onlineformaten präsent zu sein und die Sprache der Gesundheit zu sprechen, ist von entscheidender Bedeutung.

So ist es wichtig, den Präventionsnutzen in den Vordergrund zu stellen und den Benefit der Refinanzierung durch die Krankenkassen zu kommunizieren. Darüber hinaus sollte die Qualifikation der Mitarbeitenden formuliert sein und die Sprache an die Zielgruppe 40+ sowie 65+ angepasst werden.

Berücksichtigt man all diese Empfehlungen, muss einem die Zukunft keine Angst machen. Vielmehr gilt es, die aktuellen Trends des Marktes zu beobachten und darin Chancen zur Weiterentwicklung zu verstehen.

Christian Kunert


Christian Kunert ist Dozent an der IST-Hochschule in den Bereichen Gesundheitsmanagement und Prävention sowie Gesellschafter und Geschäftsführer Akademie für Prävention & Fitness GmbH (www.akapraefit.de) und Inhaber von KunertGesundheit (www.kunertgesundheit.de).

 


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